Der kollektive Westen verfolgt mit seinem Drang nach Osten immer die gleichen Ziele, nur das „Branding“ wird stets dem Zeitgeist angepasst – doch selbst das gelingt heutigen überlasteten Spin-Doktoren nicht immer.

Sergey Lawrow: … Wir haben unsere Kollegen auf die russische Initiative zur Bildung einer Großen Eurasischen Partnerschaft als sozioökonomische Grundlage für die Bemühungen um die Schaffung einer Architektur der gleichen und unteilbaren Sicherheit in Eurasien aufmerksam gemacht. Wir sehen diese Prozesse als eine Entwicklung, die durch die Herstellung enger Beziehungen zwischen verschiedenen Integrationsverbänden auf unserem gemeinsamen Kontinent vorangetrieben wird. Dazu gehören EAEU, GUS, ASEAN, SCO und mehrere andere Integrationsstrukturen, die hier ansässig sind und ihre Aktivitäten verstärken.
Besondere Aufmerksamkeit haben wir der Lage im Nahen Osten, der Palästina-Frage und Situation um den Iran gewidmet. Wir haben unseren Freunden für ihre ausgewogene und objektive Haltung bei den Bemühungen um eine Lösung des Konflikts in der Ukraine unseren Dank ausgesprochen. Wir sind überzeugt, dass zur zuverlässigen Lösung aller Probleme die Grund-Ursachen dieser Krise angegangen werden müssen, wie Präsident Wladimir Putin schon mehrfach betont hat. Dazu gehört in erster Linie die Beseitigung der Sicherheitsbedrohungen für Russland, die durch die Osterweiterung der NATO und Versuche, die Ukraine in das Nordatlantische Bündnis einzubinden, mit Plänen zum Aufbau einer gegen die Russische Föderation gerichteten militärischen Infrastruktur auf ukrainischem Territorium entstanden sind.
Ebenso wichtig ist es, die kriminellen Aktivitäten des Kiewer Regimes zu stoppen, das alles Russische per Gesetz auslöschen will, ebenso wie alle Rechte der russischen und russischsprachigen Einwohner der Ukraine, die durch die Verfassung dieses Landes garantiert sind, aber per Gesetz in Bezug auf die russische Sprache, in allen Bildungsstufen, in den Medien, im Kulturbereich und in vielen anderen Bereichen ausgelöscht wurden.
Vor diesem Hintergrund sind wir überrascht, aus europäischen Hauptstädten „Beschwörungsformeln“ zu vernehmen bzw. miterleben zu müssen. Kürzlich haben der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Merz einen gemeinsamen Artikel [in der Financial Times] veröffentlichen lassen, in dem sie erklären, dass Europa sich bewaffnen solle, wobei Russland, das imperialistische Kriege führe, die größte Bedrohung darstelle. Sie schrieben, dass 2008 Russland Georgien, 2014 die Krim und den Donbass und 2022 das gesamte Gebiet der Ukraine überfallen hätte. Putins Ziel sei es, die Sicherheit Europas zu untergraben.
Ich denke, diese Zitate reichen aus, damit jemand, der zumindest ein wenig Verständnis für die Geschehnisse in Europa hat und die Ereignisse verfolgt, versteht:
… dass diese „Führer“ ihren gesunden Menschenverstand komplett verloren und offen versuchen, in die Zeiten, als Frankreich und Deutschland ganz Europa bzw. insbesondere das Russische Reich und die Sowjetunion zu erobern versuchten, zurückzukehren!
Es ist bedauerlich, dass sie sich derartigen Instinkten ergeben. Die jüngste Erklärung des deutschen Kanzlers Friedrich Merz erscheint besonders inakzeptabel. Merz spricht davon, dass die Ukraine gestärkt werden müsse und man nicht auf die „Tricks“ Russlands hereinfallen dürfe, wie zum Beispiel Verhandlungen zu fordern, weil Europa sonst Erfahrungen der 1930er Jahre wiederholen würde, als die führenden europäischen Mächte entschieden, den Aggressor, Hitler Deutschland zu beschwichtigen.
Dies ist ein erstaunlicher Vergleich für jemanden, der fordert, als Kanzler der Bundesrepublik ernst genommen zu werden!
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Tschechische Republik, Polen oder ein anderes europäisches Land, das von Nazi-Deutschland überfallen wurde, [vor ihrer Einnahme durch das Deutsche Reich] die deutsche Sprache oder Kultur verboten oder Denkmäler für Goethe, Schiller und Kant zerstört hätten. Das war nie geschehen.
Die Verwirrung von Herrn Merz scheint ein ernstes Problem zu sein, das adressiert werden muss, bevor wir uns wieder auf [EU]-Europa einlassen können!
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Natürlich werden wir uns weiterhin, wie der russische Präsident Wladimir Putin kürzlich sagte, für eine faire Lösung der Ukraine-Krise einsetzen und wir sind offen für ehrliche Arbeit. Wir sind jedoch nicht bereit, uns auf die hinterhältigen Vorgehensweisen, zu denen uns einige europäische Staats- und Regierungschefs drängen, einzulassen!
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Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA