Im letzten Teil des Interviews durch Tucker Carlson spricht Steve Jermy über Szenarien, welche russische Gegenschläge direkt gegen E3-Staaten – das sind UK, Frankreich und Deutschland – auslösen würden. Dabei könnte es auch nur Deutschland treffen und noch gewisse Überraschungen geben!
Tucker Carlson: „Die Europäer verstehen nicht,
wie sehr atlantische Kriegstreiber Europa hassen!“

Tucker Carlson: Ich glaube, ein Nachteil der Europäer ist, dass sie nicht verstehen, wie sehr sie von denjenigen Leuten gehasst werden, welche diese Kriege planen. Ich denke, das gilt für alle Kriege der letzten hundert Jahre. Ich meine, zumindest in meinem Land hassen die außenpolitischen Strategen, …
... die Neokonservativen, welche das alles vorantreiben, Europa wahrhaftig und würden es gerne zerstört sehen!
Die Israelis hassen Europa, nur die Europäer scheinen das selbst nicht wahrhaben zu wollen. Das wird in Bezug auf die Auswirkungen offensichtlich.
Nehmen wir an, die Russen würden eine Hyperschallrakete auf Rotterdam oder auf Großbritannien abfeuern. Jeder weiß, dass Europa zweifelsohne keinen konventionellen Krieg gegen Russland durchstehen könnte. Sie würden sofort verlieren. Das Einzige, was ihnen bliebe, wäre auf Atomwaffen zurückzugreifen. Wie groß wäre die Versuchung in Reaktion [auf einen angenommenen russischen Vergeltungsschlag] Atomwaffen einsetzen zu lassen?
Steve Jermy: Das ist die 64.000-Dollar-Frage, worauf ich in meinem Artikel auch eingehe. Ich denke, es geht dabei um Folgendes: Falls Großbritannien oder Frankreich – die beiden Nationen, welche über Atomwaffen verfügen – sich dafür entscheiden wollten, Atomwaffen einzusetzen, käme das im Grunde genommen einem nationalen Selbstmord gleich.
Ich würde erwarten, dass die Russen reagieren würden. Lassen wir dabei außer Acht, dass sie über etwas weniger als 5.500 Atomwaffen verfügen. Großbritannien besitzt nur um die 200 dieser Waffen. Ich denke, dass ein Premierminister oder Präsident Frankreichs, der bereit wäre, Atomwaffen einsetzen zu lassen, um einen konventionellen Krieg, den sie aller Voraussicht nach schon von vornherein verloren hätten, zu flankieren, eine selbstmörderische Entscheidung getroffen hätte. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass so etwas passieren würde.
Tucker Carlson: Zumal Deutschland die Zerstörung ihrer eigenen Energiepipeline bejubelte und die „Invasion“ ihres Landes durch Nord- und Subsahara-Afrikaner gutheißt, erscheinen sie selbstmörderisch. So sieht es jedenfalls für einen außenstehenden Beobachter aus?
Steve Jermy: Ich halte das ebenfalls für selbstmörderisch, doch aus reiner Inkompetenz. Ich möchte jedoch annehmen, dass es innerhalb des Establishments genügend Leute gibt, die zu diesem Zeitpunkt – insbesondere, wenn wir kurz vor einem [großem] Krieg stünden – wirklich anfangen würden, das Ganze gründlich zu analysieren. Ich würde auch gerne– mich würde auch Ihre Meinung dazu interessieren –, davon ausgehen, dass es Amerikaner gab, die sagten: „Das ist nicht besonders gut und entspricht nicht dem, was wir uns vorgestellt hatten, um beim Zerfall Russlands mitzuwirken. Das funktioniert nicht und dieser Krieg wäre nur ein Auftakt. Wir müssen das zu einem Ende bringen!“ Ich weiß nicht, ob das eintreten wird. Aber ich wollte gerne annehmen, dass es in Amerika tatsächlich einige Stimmen gäbe – mir fallen dazu beispielsweise Leute wie JD Vance und die aus dem Amt geschiedene Tulsi Gabbard ein, die dennoch Stimmen der Vernunft im Weißen Haus darstellten. Mich würde auch Donald Trumps Haltung dazu interessieren. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Amerikaner nichts gutheißen würden, was sie der Gefahr eines nuklearen Schlagabtauschs mit Russland aussetzen könnte.
Tucker Carlson: Mein Eindruck ist, dass Trumps Ansichten irrelevant sind. Ich glaube nicht, dass er für diesen Krieg mit dem Iran eintrat, doch er hat ihn trotzdem ausführen lassen: Er wird vollständig (extern) kontrolliert. Da bleibt nur noch JD Vance. Er scheint mir in der amerikanischen Bundespolitik der einzige bekannte Politiker zu sein, der noch über nennenswerten Einfluss verfügt. Er hat die Macht, sich dem zu widersetzen, aber ich sehe niemanden außer JD Vance, doch hoffe mich diesbezüglich zu irren?
Steve Jermy: Ja, das hoffe ich auch: Es steht außer Zweifel, dass Stimmen unabhängiger Medien allmählich Gehör finden. Wir haben noch einen sehr langen Weg vor uns, aber man hört uns langsam zu. Genau deshalb denke ich, dass diese Debatte besser jetzt als später stattzufinden hat:
Mir scheint, dass die Europäer sich darüber noch nicht viele Gedanken gemacht haben!
Als die [Drohnen-] Angriffe auf die strategischen Bomberflotte Russlands [Anmerkung der Redaktion: Operation Spiderweb am 1. Juni 2025] stattfanden, hielt ich das für einen Akt unglaublichen strategischen Hasardeurtums. Denn diese Bomber standen auf den Flugplätzen offen aufgereiht, sodass sie im Rahmen des START-Vertrags von Satelliten auszumachen waren: Das war demnach Bestandteil des (START)-Vertrages!
Doch die russische Nukleardoktrin sieht für den Fall, dass ein Element der nuklearen Triade angegriffen würde vor, dass als Reaktion auch Atomwaffen eingesetzt werden können. Sie haben sich glücklicherweise dagegen entschieden:
Aber man spielt hier mit dem Feuer!
Das Problem ist meiner Meinung nach nicht die nukleare Antwort. Ich halte das für eine noch sehr offene Frage. Es ist eine offene Frage, nicht nur für uns, sondern auch für die Russen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Russen sagen: „Eigentlich haben wir es in den westlichen Hauptstädten mit Leuten zu tun, die so inkompetent sind, dass wir vielleicht nicht auf diese Weise [nuklear] reagieren sollten!“
Oder sie könnten es auf eine besonnenere Art und Weise tun. Ich meine, daraus stellt sich die gute Frage: Was wäre, wenn die Reaktionen nicht gegen Deutschland, Frankreich und Großbritannien [gemeinsam] gerichtet wären, sondern [nur] gegen Deutschland?
[Anmerkung der Redaktion: Ein Gegenangriff Russlands nur gegen Deutschland würde der Russischen Föderation die diplomatische Möglichkeit bieten, ggfs. auf die Feindstaatenklausel gegen Deutschland nach den Artikeln 53, 77 und 107 der Charta der Vereinten Nationen zurückgreifen zu können. Die Feindstaatenklausel erlaubt militärische Zwangsmaßnahmen gegen vormalige Feindstaaten – wie hier konkret Deutschland – ohne Erlaubnis des UN-Sicherheitsrates zu ergreifen, nachdem Deutschland heute zu den maßgeblichen kollektiven Unterstützern hinter der Ukraine zählt. Deutschland wurde rückfällig, nachdem es wieder dem Drang nach Osten verfiel. Davon unabhängig hat die BRD auch den Zwei-plus-Vier-Vertrag (12.9.1990) gebrochen, was russische Argumentationspunkte weiter erhärten würde.
Russland könnte dafür ggfs. das stillschweigende Einverständnis der USA erhalten, nachdem eine Wiederaufnahme von Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland durch Russland, eine Kapitalverschiebung aus Deutschland in Richtung Westen auslösen würde, was von den USA nicht nur gewünscht, sondern auch dringend benötigt würde, um den Zusammenbruch ihres Finanzsystems noch hinauszuschieben.
Ausländische Investoren würden gleichermaßen versuchen Deutschland so schnell wie möglich bzw. fluchtartig zu verlassen. Das Ergebnis wäre neben der ohnehin schon angelaufenen Deindustrialisierung Deutschlands deren weitere Beschleunigung, doch gekoppelt an eine De-Finanzierung Deutschlands noch parallel!
Mit einem derartigen Schachzug wäre Russland aktuell in guter Gesellschaft: Denn im November 2025, inmitten der diplomatischen Krise zwischen China und Japan, berief sich die chinesische Botschaft in Japan auf die Feindstaatenklauseln und deutete damit mögliche militärische Zwangsmaßnahmen gegen Japan an, nachdem Premierministerin Sanae Takaichi im Nationalparlament auf eine hypothetische Frage hin erklärt hatte, dass eine Krise in der Taiwanstraße für Japan eine „existenzbedrohende Situation“ darstellen könnte, die ein militärisches Eingreifen rechtfertigen würde.
Die beiden Vorfälle der beiden „UN-Feindstaaten“ Deutschland und Japan zeigen, dass der 2. Weltkrieg noch lange nicht abgeschlossen ist. Doch das haben die besagten beiden „Feindstaaten“ selbst erst ermöglicht, nachdem sie parallel voneinander einmal mehr nur in ähnlich gestellte atlantische Fallen plump tappten].
Oder was würde passieren, falls die Reaktion so ausgefallen wäre, dass die Russen die Drohnenfabriken von Deutschland und Polen ausgeschaltet hätten? Wären Großbritannien, USA und Frankreich dann auch bereit gewesen, ihre Nationen zu opfern und zig Millionen Tote in Kauf zu nehmen, um Deutschland aus dieser Situation herauszuhelfen? Das ist eine sehr gute Frage. Ich kann nicht sagen, wie die Antwort lautet. Doch zumindest heißt für mich die Antwort, dass man mit diesen Langstreckenwaffen und Angriffen gegen Russland sorgfältiger umzugehen hätte sowie auch über Diplomatie stärker nachdenken sollte.
Hingegen erscheint mir die Tatsache eines [vormaligen] Treffens [am 15. & 16.6.2024 am Bürgenstock im Kanton Nidwalden in der Schweiz], um Lösungen für den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu diskutieren und dabei triumphierend eine der kriegführenden Parteien [Russland] ausgeschlossen zu haben…
… als diplomatische Inkompetenz allererster Güte!
… Ich dachte oft, dass eines der größten Probleme die NATO selbst darstellt… Sie scheint Bedrohungen zu begegnen, die durch ihre eigene Existenz erst geschaffen werden, verfügt aber nicht über die Macht, jenen selbstgeschaffenen Bedrohungen entgegenzutreten. Daher denke ich, dass die NATO meiner Meinung nach ein wesentlicher Teil des Problems darstellt…
Tucker Carlson: Die NATO existiert, um der von ihr selbst geschaffenen Opposition entgegenzutreten, hat aber nicht die Macht, dieser gegenüber erfolgreich Widerstand zu leisten. Ich meine, das ist eine der treffendsten Formulierungen, welche mir jemals zu Ohren kam!
Steve Jermy: Das stand tatsächlich in einer Veröffentlichung des Quincy Institute, welche vor etwa 18 Monaten unter dem Titel „Verantwortungsvolle Staatskunst“ herauskam. Es ist so offensichtlich und dennoch glauben die Leute, die NATO sei allmächtig… Sie stützt sich auf Streitkräfte, die bei weitem nicht so kampferprobt wie die der Russen sind. Die zweitbeste Armee der Welt ist für mich derzeit, was die Kampferfahrung angeht, die ukrainische Armee!
An erster Stelle steht die russische Armee!
Die Chinesen werden das sehr genau beobachten. Die Vorstellung also, dass NATO mit einer heterogenen Gruppe von Ländern, mit unterschiedlichen Streitkräften und Ausrüstungsstandards, tatsächlich eine Koalition bilden kann, um die kampferprobteste Armee der Welt zu besiegen – das scheint mir einfach nicht plausibel und schlüssig. Man muss ein Mann des Militärs sein, um das zu verstehen!
Leider verstehen viele Militärangehörige das nicht. Soweit ich das beurteilen kann, zeigen sie nicht wirklich Interesse, um Russland zu verstehen. Ich finde das einfach bemerkenswert. Ich habe mir einige Meinungen angehört. Kürzlich nahm ich an einer Besprechung unseres ehemaligen Generalstabschefs teil und fragte: „Was halten Sie davon, mit Russland zu sprechen?“ … Seine Antwort lautete… „Aber nicht mit Putin!“ Diese erstaunliche Aussage zeigt, wie stark Russophobie noch verbreitet ist… Vieles davon hat damit zu tun, dass man Russland weder zuhört noch darauf eingehen will… Es wäre schon mal ein guter Anfang, dies zu tun. Dann könnte man erkennen, vor welchen Herausforderungen wir stehen und wäre viel besser in der Lage den Gegner auch wirklich zu verstehen.
Tucker Carlson: … Wo stehen der Westen, die USA, Europa, Australien, Neuseeland und Kanada in Sachen Energie?
Steve Jermy: Ich halte das für eine sehr gute Frage. Ein starkes Gefühl sagt mir, dass…
… wir am Rande einer Krise stehen!
Der Grund dafür ist: Wenn man 20 Millionen Barrel Öl aus der Straße von Hormuz in Abzug stellt – tatsächlich sind es 13 – dann muss sich das früher oder später auswirken…
Die Lagerbestände waren natürlich beträchtlich. Zu Beginn gab es noch einen gewissen Ölüberschuss, der, soweit ich das beurteilen kann, inzwischen weitgehend aufgebraucht ist. Das gilt auch für die strategischen Erdölreserven, die [in den USA] momentan bei etwa 20% liegen…
Last but not least gibt es noch China… China hat seinen Bedarf um etwa 5 Millionen Barrel pro Tag senken lassen, was einen erheblichen Rückgang darstellt. Dort befinden sich zudem die größten strategischen Erdölreserven der Welt…
… Ich gehe davon aus und prognostiziere, dass…
… wir es mit einer erheblichen Rezession zu tun haben werden!
Beginnend im Herbst könnte das zur Jahreswende in eine Rezession münden. Wie genau sich diese Rezession weltweit auswirken wird, bleibt noch offen. Ich meine, das Land, das davon am wenigsten betroffen wird sein, heißt Russland. Russland ist ein autarker Staat…
… Ich weiß, dass die Chinesen sich schon seit Jahrzehnten mit ihrer eigenen Energiesituation beschäftigen. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass China im Jahr 2003, als die Amerikaner mit ihren Verbündeten im Irak einmarschierten, davon ausging, dass es dabei ums Öl [zu Lasten Chinas] ging. So begannen sie, ihre eigenen Reserven aufzustocken.
Was jedoch Europa betrifft, bleibt es unglaublich anfällig. Das gilt auch für weite Teile des Fernen Ostens. Ich fürchte also, dass unsere Lage der Afrikas gleicht.
Was die Vereinigten Staaten betrifft, so trifft Trumps Aussage, dass die USA ein Ölexporteur seien, insofern zu, als sie raffinierte Produkte exportieren. Was Rohöl angeht, sind sie jedoch – ich schätze in einer Größenordnung von etwa 6,5 Millionen Barrel pro Tag, Importeur. Selbst wenn man beispielsweise über Venezuela oder Kanada an Öl käme, bliebe es ein handelbarer Rohstoff: Man mag zwar Zugriff (auf Energie) erhalten, aber die Ölpreise werden steigen…
Sollten diese Kosten fürs Öl jedoch in den nächsten zwei bis drei Monaten deutlich ansteigen, könnte ich mir vorstellen, dass das nicht gerade jene Art von Entwicklung wäre, die man im Vorfeld der US-Zwischenwahlen (im November) sehen möchte. Ich wäre überrascht, wenn die Preise nicht deutlich steigen würden. Selbst wenn man die Straße von Hormuz wieder öffnete, würde die Verzögerung im System so groß sein, dass man noch bis weit nach den Zwischenwahlen und wahrscheinlich bis ins neue Jahr hinein unter den Folgen wird leiden müssen…
Tucker Carlson: … Lassen Sie mich Ihnen noch eine letzte Frage stellen: Wie lange werden diese beiden Konflikte, der in Osteuropa und der im Nahen Osten voraussichtlich noch andauern? Haben Sie Hoffnung auf Lösungen?
Steve Jermy: Wenn ich zunächst den Nahen Osten betrachte, habe ich den starken Verdacht – auch wenn ich das nicht mit Sicherheit sagen kann – dass die anhaltende Sperrung der Meerenge (von Hormuz) den Vereinigten Staaten in Bezug auf die Zwischenwahlen zunehmend wird zu schaffen machen…
Ich vermute, dass es zu einer ganz anderen politischen Stimmung in den Vereinigten Staaten führen wird, falls es zu erheblichen Preisanstiegen kommen und man erleben würde, wie der Weltwirtschaft großer Schaden zugefügt würde. Ich vermute, dass genau das der Auslöser, um den Iran-Krieg zu einem Ende zu bringen, sein könnte. Doch ich kann das nicht mit absoluter Sicherheit heute vorhersagen.
Interessant wird auch sein zu beobachten, inwieweit in einer sich verbessernden Situation zwischen den Vereinigten Staaten einerseits und China und Russland andererseits sowohl China als auch Russland tatsächlich dazu beitragen könnten, diesen Krieg zu beenden… Denn der Krieg lässt sich militärisch nicht gewinnen.
Wir wissen – ich glaube nicht, dass ich damit zu weit gehe –, dass es in den Vereinigten Staaten keinen politischen Willen gibt, Bodentruppen im Krieg gegen den Iran einzusetzen.
Was den Krieg zwischen Russland und der Ukraine angeht, ist die Lage meiner Meinung nach schwieriger einzuschätzen. Meine Vermutung ist, dass Putin eine drohende Wirtschaftskrise in Europa kommen sieht. Er sagt sich vielleicht: „Ich könnte [militärisch] reagieren, falls die Europäer den Druck erhöhten, aber eigentlich sehe ich voraus, was auf sie noch zukommt.“ Also, falls diese Wirtschaftskrise Europa erreichen sollte.
Zu diesem Zeitpunkt werden die Europäer erkannt haben, dass sie sich eine Aufrüstung nicht mehr leisten können, nachdem sie in eine echte Rezession geschlittert wären. Man könnte argumentieren, dass Deutschland bereits in einer Rezession steckt. Ich denke, sowohl Großbritannien als auch Frankreich stehen wahrscheinlich nur knapp davor. Plötzlich dürften sie sich in tiefen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wiederfinden. Das Letzte, was man dann tun wollte, wäre seine Länder dazu aufzufordern, 5% ihres BIP ins Militär zur Führung eines Krieges zu investieren, der – wie sich bis dahin hoffentlich abzeichnen würde – nicht mehr gewonnen werden kann.
Sollte das eintreten, würde ich davon ausgehen, dass der Krieg bis Ende des Jahres beendet werden sollte, falls die Rezession eintreten würde…
Was die Diplomatie betrifft, wird vieles von den US-Zwischenwahlen und vielleicht davon abhängen, wie sich das Konzert der Mächte verhält, was von den E3 – UK, Frankreich, BRD – abhängen dürfte. Aus deren Politik werden die Menschen früher oder später erkennen, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen wäre.
Eine weitere Möglichkeit, den Krieg zu beenden, könnte ein Kurswechsel Russlands – als Alternative zu einem Angriff auf Europa – sein, obwohl ich immer noch nicht glaube, dass ein russischer] [Angriff [auf EU-Europa] vom Tisch wäre… Als Alternative könnte ein weiterer Vorstoß auf Kiew dienen, was jedoch nicht aus militärischen, sondern aus politischen Gründen geschehen würde:
Sollte die Regierung in Kiew zusammenbrechen, so glaube ich, dass zu diesem Zeitpunkt das Spiel vorbei wäre!
Russland würde das zwar niemals erwähnen, aber es würde mich nicht überraschen, wenn sie das [Einnahme von Kiew] als mögliche Vorgehensweise alternativ eingeplant hätten.
Tucker Carlson: Ich meine, Putin muss doch unter innenpolitischem Druck stehen. Er regiert nicht als absoluter Diktator und Unterstützer im GRU [Militärnachrichtendienst], im Militär und viele Leute hätten gerne seinen Posten. Wie groß ist Ihrer Meinung nach der Druck auf ihn, um noch größerer Gewalt einsetzen zu lassen?
Steve Jermy: Ich glaube, er steht unter erheblichem Druck, aber ich habe mir zu Beginn des Krieges tatsächlich die Zeit genommen, mir Oliver Stones Interviews mit Putin anzuhören, um den Mann besser verstehen zu können. Ich habe mir auch die Zeit genommen, Philip Shorts Biografie über Putin gelesen zu haben. Danach kam ich zum Schluss:
Das ist ein Mann, der äußerst strategisch vorgeht, ganz gleich, wie man zu ihm stehen mag!
… Man hat sehr sorgfältig abzuwägen, denn Putin ist ein strategischer Kopf, der großen Respekt verdient. Ich glaube, er steht unter Druck, aber ebenso meine ich, dass er jene Art von Mann darstellt, der diesem Druck standhalten kann und das tut, was er fürs Beste hält. Genau das hat er auch bisher getan… Putin repräsentiert diesen Typ von Mann, welcher die Nerven behält. Ich glaube, dass er das umsetzen wird, was er für strategisch richtig hält.
Auch wenn ich das folgende Szenario als Denkanstoß vorgebracht habe, gehe ich davon aus, dass Putin es in Betracht ziehen könnte…
Falls er Waffen [gegen die E3] einsetzen wollte, würde er als Erstes das Weiße Haus anrufen und ankündigen: „Wir werden Waffen gegen die E3 einsetzen!“ Nachdem er das getan hätte, würde er Anweisung erteilen, Mertz, Macron und Burnham – wie auch immer sie heißen mögen – anzurufen, um diesen mitteilen zu lassen: „Wir werden militärisch gegen Produktionsanlagen vorgehen, sofern wir keine klare Zusicherung von den E3 erhielten, wonach sie ihre Waffenlieferungen an die Ukraine einstellen wollten!“
Das würde er meiner Einschätzung nach durchziehen, um die Situation eskalieren zu lassen. Es handelt sich also um eine andere Art der Eskalation. Was jedoch seine Nervenstärke angeht, denke ich, dass er noch eine Weile die Nerven im Zaum halten dürfte. Doch vieles wird davon abhängen:
- wie sich der Krieg weiterentwickeln würde?
- von den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen?
- von den Befürchtungen der Bevölkerung, dass schwere Flugkörper, hergestellt von Frankreich, BRD oder UK, mitten in Russland einschlagen könnten?
Falls sie tatsächlich zum Schluss kämen, dass dies passieren könnte, dann würde ich erwarten, dass Putin – allerdings auf sehr dosierte Weise – reagieren würde.
Tucker Carlson: Das klingt für mich absolut schlüssig: Was für eine kluge Analyse. Vielen Dank, dass Sie sich dafür die Zeit genommen haben!
Steve Jermy: Es war mir ein Vergnügen, Tucker und machen Sie weiter so. Ich denke, für uns in den unabhängigen Medien ist es wichtig – ich höre so oft, nachdem ich Podcasts gemacht hatte, die Leute sagen: „Gott sei Dank, endlich mal wieder gesunder Menschenverstand!“ Wir brauchen wirklich gesunden Menschenverstand, denn sonst besteht die Gefahr, dass wir ein 1914 [neu] erleben:
Doch das wäre das Letzte, was wir brauchten!
Tucker Carlson: Ja, ich habe 35 Jahre mit traditionellen Medien verbracht. In dem Moment, als ich zu den unabhängigen Medien wechselte, dachte ich: „Hier sind all die klugen Köpfe!“ Ich habe mich gefragt, wo sie sonst noch wären. Es ist, …
… als wären sie in den traditionellen Medien nicht mehr zu finden!
Sie sind ein perfektes Beispiel dafür – vielen Dank, dass Sie das machen!
Steve Jermy: Es war mir eine echte Freude – danke!
Ende der Serie!
Übersetzung und Lektorierung: UNSER-MITTELEUROPA
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- Teil 1 des Interviews von Steve Jermy durch Tucker Carlson auf Deutsch: HIER
- Teil 2 des Interviews von Steve Jermy durch Tucker Carlson auf Deutsch: HIER
- Das Interview von Steve Jermy durch Tucker Carlson im englischen Original: HIER
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