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Nazi-Wahn immer unerträglicher – jetzt sind auch Fitness-Studios dran!

Fitness, Muskelaufbau, Disziplin und Gemeinschaftssinn – was für Millionen Menschen schlicht zum Sport gehört, gerät nun ebenfalls in den Schatten der NS-Vergangenheit. Die Extremismusforscherin Julia Ebner zieht Parallelen zwischen der Sportkultur bestimmter rechtsextremer Gruppen und der Hitlerjugend.

Wenn historische Vergleiche zur Obsession werden

Der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf: Muss heute tatsächlich alles, was bestimmten gesellschaftlichen oder politischen Kreisen missfällt, früher oder später mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht werden? Nicht jede traditionelle Vorstellung ist ein Rückfall in die Vergangenheit. Nicht jedes Gemeinschaftsgefühl ist Ausdruck einer extremistischen Gesinnung. Und nicht jeder durchtrainierte Körper verweist auf die Dreißigerjahre.

Wer ständig nach historischen Parallelen sucht, wird irgendwann überall welche entdecken – schon allein deshalb, weil auch in der NS-Zeit Menschen Sport betrieben, Familien gründeten, Vereinen angehörten und alltäglichen Beschäftigungen nachgingen.

Denn wenn inzwischen selbst die Hantelbank zum Ausgangspunkt einer Debatte über die Hitlerjugend wird, stellt sich irgendwann die Frage, ob tatsächlich überall nationalsozialistische Tendenzen lauern – oder ob manche Menschen mittlerweile vor allem eines trainieren: ihre Fähigkeit, überall welche zu entdecken.

Von der Hantelbank zur Hitlerjugend?

Es scheint kaum noch einen gesellschaftlichen Bereich zu geben, der vor historischen Vergleichen mit der NS-Zeit sicher ist. Ob politische Einstellungen, traditionelle Rollenbilder, bestimmte Formen des Gemeinschaftsgefühls oder Vorstellungen von Männlichkeit – der Verweis auf diese Zeit ist mitunter erstaunlich schnell zur Hand. Und immer schneller, je weiter diese unselige Zeit zurückliegt. Nun ist offenbar auch die Fitnesskultur an der Reihe

Die österreichische Extremismusforscherin Julia Ebner beschäftigt sich in ihrem Buch „Von Fitness zu Faschismus. Gefahren extremer Männlichkeit“ mit den Verbindungen zwischen Körperkult, Männlichkeitsidealen und rechtsextremen Bewegungen.

Im Gespräch mit dem „Spiegel“ erklärt sie:

„Die Fitness- und Kampfsportkultur manch radikaler Bewegung weist deutliche Parallelen zu den Fitness- und Kampfübungen der Hitlerjugend in den Dreißigerjahren auf.“

Zunächst zielt die Aussage auf bestimmte radikale Gruppierungen ab. Doch Ebner geht noch weiter. Ihrer Ansicht nach haben Rechte die Fitnesskultur, insbesondere die Kampfsportkultur, gewissermaßen „gekapert“ bzw. „gehijackt“, wie sie sagtr. Linke und Liberale müssten dieses Feld deshalb zurückerobern. Das wird sicher keine leichte Aufgabe für die „lets fight tonight“-Linke, denn was soll in einem Linken oder Grünen vor sich gehen, wenn er den aktuellen Wunsch der Genossen, „kriegstauglich“ oder „wehrtüchtig“ zu werden, ernstnimmt?

Vielleicht könnte sich der verwirrte künftige Krieger zur Beruhigung vor Augen halten, dass Disziplin, körperliche Stärke und Zusammenhalt weder rechte noch linke Eigenschaften sind. Sie gehören zu den Grundlagen vieler Sportarten, und Menschen trainieren aus den unterschiedlichsten Gründen bereits seit langem – auch lange vor der NS-Zeit.

Zurück zum Hitlerjugend-Vergleich

Die Hitlerjugend war keine gewöhnliche Sportgemeinschaft, sondern eine Organisation des nationalsozialistischen Regimes, deren Aufgabe unter anderem in der politischen Indoktrinierung und vormilitärischen Erziehung junger Menschen bestand. Der wesentliche Unterschied liegt somit nicht darin, ob jemand Liegestütze macht, Gewichte hebt oder Kampfsport betreibt, sondern in den politischen Zielen, die damit verfolgt werden.

Die krankhafte Suche nach NS-Parallelen ist allerdings ein gesellschaftliches Phänomen, das weit über die Fitnesskultur hinausreicht. Es entsteht zunehmend der Eindruck, dass bestimmte Erscheinungen nicht mehr existieren können, ohne zugleich mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht zu werden. Außer bei der aktuellen Kriegsgeilheit, die darauf abzielt, die Russen niederzuringen – da gibt es selbstverständlich keine Ähnlichkeiten zur NS-Zeit.



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Redaktion3

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